KHK - Alarmzeichen Engegefühl in der Brust
Ausstrahlende Schmerzen und Engegefühl in der Herzgegend können Anzeichen einer koronaren Herzkrankheit sein und sollten unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden. Zur Standarduntersuchung gehören Abhören des Herzens, Blutdruckmessung und EKG. Der Herzspezialist nimmt anschließend die genauere Diagnostik vor – mit Echokardiografie, Herzkatheter, MRT oder Myokardszintigramm. Im Überblick
Ausstrahlende Herzschmerzen sind typisch
Eine koronare Herzkrankheit (KHK) geht oft mit
Angina-pectoris-Beschwerden einher. Charakteristisch für eine Angina pectoris sind:
- Schmerzen in der Herzgegend, meist hinter dem Brustbein
- Engegefühl im Brustkorb
- Kurzatmigkeit.
Eine Angina pectoris wird meist durch körperliche, gelegentlich auch durch seelische Belastung, aber auch durch Kälte oder üppiges Essen ausgelöst und dauert maximal 20 Minuten. Die Herzschmerzen können in den linken, selten in den rechten Arm, in den Unterkiefer, aber auch in die Schulter, den Rücken oder den Oberbauch ausstrahlen.
↑ nach oben
Wenn Medikamente nicht helfen, sofort zum Arzt!
Von einer stabilen
Angina pectoris spricht man, wenn die Symptome
- nur unter Belastung auftreten
- sich immer in der gleichen Weise wiederholen
- nie länger als 20 Minuten dauern
- durch die Gabe von Nitroglyzerin (Tropfen, Spray, Kapseln) schnell besser werden.
Tritt eine Angina pectoris dagegen häufiger, stärker oder bereits in Ruhe auf und lässt sie sich auch durch Nitropräparate nicht bessern, spricht man von einer instabilen Angina pectoris. Hier ist der Gefäßdurchmesser der betroffenen
Herzkranzgefäße schon so weit eingeengt, dass die Gefahr eines
Herzinfarktes deutlich steigt. Das bedeutet: sofort den Notarzt rufen!
↑ nach oben
Stiller Infarkt typisch bei Diabetes
Bei Diabetikern und alten Menschen mit einer KHK tritt oft keine
Angina pectoris auf. Obwohl die
Herzkranzgefäße schon bedrohlich eng sind, verspüren sie keine Schmerzen, weil etwa im Falle eines
Diabetes die Nervenleitbahnen geschädigt sind. Das Absterben von Herzmuskelzellen bleibt dann oft unbemerkt und wird meist nur zufällig im
EKG entdeckt. Man spricht auch von einem stillen Infarkt.
↑ nach oben
Diagnose: Der Arzt untersucht mit allen Sinnen
Bei Patienten mit typischen
Angina-pectoris-Beschwerden reichen oft schon die körperliche Untersuchung durch den Arzt, ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch und ein
EKG aus, um die Diagnose koronare Herzkrankheit (KHK) zu sichern. Der Arzt beobachtet den Patienten schon beim Eintreten ins Sprechzimmer aufmerksam. So beurteilt er bereits in den ersten Minuten die Durchblutung der Haut und der dünnhäutigen Lippen, die Statur, Körperhaltung, Besonderheiten beim Sprechen, Atmen, Stehen, Gehen sowie dem Aus- und Anziehen. Das erlaubt dem erfahrenen Arzt bereits erste Rückschlüsse auf mögliche Funktionsstörungen des Herz-Kreislauf-Systems.
Auf die Beobachtung, auch Inspektion genannt, folgen das Abtasten, die Palpation, sowie das Abklopfen, die Perkussion. Der Arzt tastet den Puls an unterschiedlichen Körperstellen wie Handgelenk und Halsseiten ab und erhält dadurch einen ersten Eindruck von der Herzaktion. Auch den Bauchraum tastet er sorgfältig ab. Außerdem kann der Arzt durch leichtes Drücken etwa an den Unterschenkeln Wassereinlagerungen im Gewebe entdecken. Das Abklopfen der Brustwand liefert Hinweise auf Flüssigkeitsansammlungen im Brustraum.
Das Abhören von Herz und Lunge mit dem
Stethoskop ist Pflicht für den Arzt, wenn sich ein Patient mit Herz-Kreislauf-Beschwerden vorstellt. Um die Herzaktion zu beurteilen, setzt der Arzt das Stethoskop an verschiedenen Stellen auf der linken vorderen Brustwandhälfte auf. So lässt sich etwa die Herzaktion, beurteilbar am regelmäßigen Herzschlag, orientierend einschätzen.
Auch das Abhören der Lunge ist unerlässlich. Aus Geräuschen wie Rasseln kann der Arzt erste Rückschlüsse auf Wassereinlagerungen oder zusätzlich bestehende Lungenkrankheiten ziehen. Nicht zuletzt dient das Stethoskop der Suche nach Engstellen in den Gefäßen: Der Arzt sucht nach Verengungen an gut zugänglichen großen Gefäßen wie am Hals und in der Leiste. Selbstverständlich gehört auch das Messen des
Blutdrucks zur Basisuntersuchung bei Verdacht auf KHK.
↑ nach oben
EKG gehört zur Basisdiagnostik
Die körperliche Untersuchung ist wichtig, doch reicht sie nicht aus, wenn der Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit besteht. In jedem Fall ist auch ein
EKG (Elektrokardiogramm) nötig, mit dem der Arzt die Ausbreitung und Rückbildung der elektrischen Erregung über den Herzmuskel erfasst. Die elektrischen Impulse für die Herzarbeit entstehen im Herzen selbst und werden über die Herzoberfläche weitergeleitet. Ein EKG ist einfach in jeder Arztpraxis durchzuführen und liefert viele wertvolle Informationen. Es ist deshalb in der Diagnostik aller Herz-Kreislauf-Erkrankungen unerlässlich.
Die Ableitung eines EKG ist eine für den Patienten kaum spürbare Untersuchung. Auf der Brustwand sowie an Armen und Beinen werden dünne Elektroden angebracht, welche die Herzströme registrieren. Die Auswertung der so ermittelten Kurve benötigt allerdings einige Erfahrung. Diese vorausgesetzt, erhält der Arzt aus einem in Ruhe abgeleiteten EKG wichtige Informationen über:
- den Herzrhythmus
- die Erregungsleitung
- Narben im Herzmuskelgewebe
- eine Überlastung des Herzmuskels (Hypertrophie)
↑ nach oben
Belastungs-EKG bei Verdacht auf Angina pectoris
Mit einem Ruhe-EKG können allerdings Störungen der Herzfunktion, die nur bei Belastung auftreten, nicht erfasst werden. Deshalb wird bei Verdacht auf eine
Angina pectoris zusätzlich immer ein Belastungs-EKG angefertigt. Für das Belastungs-EKG nutzt der Arzt ein spezielles Fahrradergometer, auf dem Dauer und Intensität der Belastung genau einstellbar sind. Während der Patient sitzend oder liegend in die Pedale tritt, werden über EKG-Elektroden die Herzströme aufgezeichnet. Außerdem überwacht der Arzt Puls und
Blutdruck. Die ärztliche Begleitung garantiert, dass der Patient sich nicht unverhältnismäßig anstrengt und das Herz gerade so stark wie nötig, aber so schonend wie möglich belastet wird. Selten findet die Untersuchung auf einem Laufband statt.
↑ nach oben
Vorsorgeuntersuchung zur KHK-Früherkennung
Da sich die KHK nicht bei jedem als
Angina pectoris bemerkbar macht, ist es wichtig, die
Vorsorgeuntersuchung zu nutzen. Bei dieser Untersuchung, die ab dem 35. Lebensjahr bei jedem Versicherten von der Krankenkasse bezahlt wird, kann eine KHK frühzeitig entdeckt und therapiert werden. Denn oft lässt sich bereits aus dem
EKG erkennen, ob der Herzmuskel schlecht durchblutet ist.
↑ nach oben
Herzultraschall ermöglicht genauere Diagnose
Wenn der Arzt nach den ersten Untersuchungen unsicher ist, ob es sich um eine KHK handelt, kann er weitere diagnostische Möglichkeiten nutzen. Generell wird jeder Patient mit Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit zum Herzspezialisten, dem Kardiologen, überwiesen. Dort steht beispielsweise auch der Herzultraschall zur Verfügung, um zu einer genauen Diagnose zu gelangen. Mit dem Herzultraschall, in der Fachsprache
Echokardiografie genannt, können die Struktur und die Funktion des Herzens genau beurteilt werden. In der kardiologischen Praxis ist der Herz-Ultraschall zur Routine geworden. Der erfahrene Kardiologe kann je nach Fragestellung aus verschiedenen Echokardiografie-Methoden die geeignete Technik auswählen. Es gibt Untersuchungen in ein, zwei oder drei Dimensionen, die Darstellung von Blutströmen und Gewebebewegungen (
Doppler-Sonografie) sowie Ultraschall in Ruhe, unter Belastung oder medikamentös stimulierter Herzarbeit („Stressecho“). Je nach Position des Schallkopfes unterscheidet man zwischen dem Herzultraschall durch die Brustwand (transthorakal) oder durch die Speiseröhre (transösophageal). Letzterer hat besonders für Patienten mit starkem Übergewicht (Adipositas) Vorteile.
↑ nach oben
Herzkatheter: Kranzgefäße und linke Herzkammer im Blick
Ebenfalls nicht mehr wegzudenken aus der Diagnostik und Therapie der KHK ist die Koronarangiografie
, die Linksherzkatheteruntersuchung
, zur Darstellung der
Herzkranzgefäße. Sie ist der häufigste diagnostische Eingriff am Herzen. Der Arzt führt den Linksherzkatheter in der Regel über die Leistenarterie zum Herzen, selten benutzt der Arzt dafür eine Armarterie. Hat die Katheterspitze die Koronararterien (Herzkranzgefäße) erreicht, wird ein Kontrastmittel durch den Katheter gespritzt. So werden auf dem Röntgenbild die Herzkranzgefäße mit ihren Verzweigungen und Stenosen (Gefäßengstellen) gut sichtbar. Auch eine Ultraschalluntersuchung der Herzkranzgefäße ist mit dem Linksherzkatheter möglich. Sie gibt Aufschluss über die Beschaffenheit der Gefäßwände und das Ausmaß von Stenosen. Mit einer speziellen Doppler-Technik kann der Blutfluss dargestellt werden. Vor der Untersuchung wird der Patient vom Arzt sorgfältig befragt und aufgeklärt. Dabei wird der Mediziner auch nach Allergien fragen. Bei Allergikern besteht nämlich die Gefahr, dass sie auf das Kontrastmittel besonders empfindlich reagieren. Zur Vorbereitung gehören darüber hinaus diverse Untersuchungen wie
EKG und ein Bluttest.
Wichtig ist außerdem, dass der Patient drei Stunden vor dem Eingriff keine größeren Mahlzeiten zu sich nimmt; Kranke mit einem hohen Risiko müssen in dieser Zeit gänzlich auf die Nahrungsaufnahme verzichten. Bei Bedarf kann der Patient ein schnell wirksames Beruhigungsmittel erhalten. Während der Untersuchung wird der Patient zur kontinuierlichen Überwachung an ein EKG-Gerät angeschlossen. Nach der Linksherzkatheteruntersuchung wird die Einstichstelle mindestens fünf Minuten stark abgedrückt, um die Blutstillung voranzutreiben. Eine Alternative zum Abdrücken bilden arterielle Verschlusssysteme: Sie sind besonders für Patienten geeignet, die gerinnungshemmende Medikamente erhalten und deshalb ein erhöhtes Blutungsrisiko haben. Nach der Katheteruntersuchung muss der Patient drei bis sechs Stunden Bettruhe einhalten; häufig wird auch ein Druckverband angelegt oder ein Sandsack auf die Wunde gelegt. Nach der Ruhezeit muss der Arzt die Leiste gründlich untersuchen und sich vergewissern, dass kein Bluterguss entstanden ist.
↑ nach oben
MRT und Szintigrafie für Frauen oft geeigneter
Obgleich die Herzkatheteruntersuchung bei Verdacht auf eine KHK heute Standard ist, gerät sie gelegentlich an ihre Grenzen: Sind nicht die dicken Arterienäste, sondern deren kleine Verästelungen verengt, liefert die
Koronarangiografie ein normales Bild – und widerspricht damit den Beschwerden der oft weiblichen Patienten. Gerade bei Frauen finden sich Engpässe oft in den Endverzweigungen der Gefäße. Dadurch entstandene Schäden am Herzmuskel können oft nur mit einer Herzdurchblutungsmessung (
Myokardszintigrafie) oder mit einer
Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar gemacht werden.
Bei der Myokardszintigrafie spritzt der Arzt dem Patienten eine radioaktive Substanz in die Armvene. Dieser Tracer ("Spurensucher") reichert sich im Herzmuskel an. Ein spezielles Gerät – Scanner oder Gammakamera – macht ihn im Szintigramm sichtbar. Als bildgebendes Verfahren eignet sich die Myokardszintigrafie besonders zur Diagnose von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels, die etwa im
Belastungs-EKG verborgen bleiben. Der Vorteil dieser Methode: Herzmuskel-Regionen, die unter Belastung schlechter durchblutet werden, lassen sich genau eingrenzen. Das ist wichtig, um das Ausmaß eines Herzinfarktes sowie die Risiken einer geplanten Herzoperation abschätzen zu können. Die radioaktiven Substanzen, die bei der Myokardszintigrafie zum Einsatz kommen, schaden dem Patienten nicht: Die Strahlenbelastung der Tracer ist außerordentlich gering. Meist findet die Untersuchung unter Belastung auf dem Fahrradergometer statt. Alternativ kann der Arzt das Herz mit Medikamenten anregen. Im Szintigramm lassen sich dann die Aufnahmen unter Belastung mit Bildern in der Erholungsphase des Herzmuskels vergleichen. So sieht der Arzt, in welchem Maße sich der während der Anstrengung schlecht durchblutete Herzmuskel in Ruhe wieder erholen kann
↑ nach oben
MRT ermöglicht Bewegungsstudien
Die Strahlenbelastung ist bei der Myokardszintigrafie gering, gänzlich ohne Strahlen kommt jedoch die
MRT (Magnetresonanztomografie) aus. Sie bietet ähnlich wie die
Herz-CT (Computertomografie) die Möglichkeit, dreidimensionale Bilder oder Schichtaufnahmen zu erzeugen. Der Patient liegt zwischen einer halben und einer ganzen Stunde mit dem Rumpf in dem Untersuchungsgerät. Bei manchen Patienten fertigt der Radiologe während der Untersuchung auch Bewegungsstudien des Herzens an. Für Patienten mit einem
Herzschrittmacher, einem implantierten
Defibrillator oder mit künstlichen Gelenken aus eisenmagnetischen Metallteilen kommt die MRT nicht infrage, weil die Metallteile im starken Magnetfeld ihre Position verändern könnten. Eine Jodallergie, Schilddrüsenüberfunktion und Nierenfunktionsstörung stellen dagegen kein Problem dar. Das Kontrastmittel, das der Arzt zur besseren Darstellung der Gefäße spritzt, enthält – anders als bei der CT – kein Jod.
↑ nach oben
Herz-CT zeigt Arteriosklerose im Frühstadium
In der Diagnostik der KHK spielt die
Computertomografie eine untergeordnete Rolle. Mit ihr lassen sich allerdings beispielsweise Kalkeinlagerungen in der Gefäßwand von Herzkranzgefäßen gut erkennen. Für Patienten, bei denen der Verdacht auf eine KHK besteht und die sich nicht belasten können oder bei denen der Belastungstest nicht aussagekräftig war, steht die kontrastverstärkte CT-Angiografie zur Verfügung. Sie hat den Vorteil, dass dem Patienten kein Katheter in die Herzkranzgefäße geschoben werden muss, sondern lediglich ein Kontrastmittel gegeben wird und die Koronararterien „von außen“ in ihrer Funktion und ihrem Aufbau beurteilbar sind. Allerdings ist die CT-Angiografie mit einer höheren Strahlenbelastung verbunden als die konventionelle Katheteruntersuchung. Begrenzend wirkt außerdem der Umstand, dass die Untersuchung bei Patienten mit einer Niereninsuffizienz oder einer Kontrastmittelunverträglichkeit (Jodallergie, Schilddrüsenfunktionsstörung) wegen des jodhaltigen Kontrastmittels nicht angewendet werden kann.
↑ nach oben